Hans-Joachim de Bok ist seit 35 Jahren Mitglied der GeWoSüd und lebt bis heute in der großen Sied­lung in Weißensee – mit einem reichen Schatz an Erin­ne­rungen. Ein Porträt über einen, der immer mitge­mischt und sich für die Genos­sen­schafts­idee einge­setzt hat.

Das genos­sen­schaft­liche Wohnen wurde Hans-Joachim de Bok quasi in die Wiege gelegt. Seine Eltern waren Mitglied der Landbau-Genos­sen­schaft, die später mit der dama­ligen Lindenhof-Genos­sen­schaft zwangs­ver­ei­nigt werden sollte. 1929 zogen sie in eine Wohnung in der Weißen­seer Gene­ral­straße, die heute Jacob­sohn­straße heißt. „Meine Eltern haben die Wohnung trocken gewohnt“, erzählt de Bok. „Die Bauten waren frisch, alles noch feucht. Dafür durften sie ein halbes Jahr miet­frei wohnen“, ergänzt er.

Als Nach­kriegs­kind in Weißensee
1941 geboren, erlebte Hans-Joachim de Bok die Nach­kriegs­zeit in der Sied­lung Weißensee hautnah. Während ringsum vieles in Trüm­mern lag, blieben die Häuser der Genos­sen­schaft weit­ge­hend unver­sehrt. Noch heute erin­nert er sich an den strengen Haus­meister Bossi: „Wehe, wir Kinder haben im Keller gespielt. Dann hat er uns aber den Marsch geblasen. Da gab’s auch mal eine Ohrfeige.“

Als junger Ehemann zurück nach Hause
Als junger Ehemann zog de Bok wieder dorthin zurück, wo er groß geworden war. 1972 bezog er gemeinsam mit seiner Frau eine Zwei­zimmer-Wohnung der GeWoSüd in der Pisto­ri­us­straße, die zu DDR-Zeiten noch unter kommu­naler Verwal­tung stand – nur ein paar Schritte entfernt von seinen Eltern. Nach der Wende trat de Bok der GeWoSüd bei, als diese die Häuser in Weißensee zurück­über­tragen bekommen hatte. Und fortan enga­gierte sich de Bok auch für die Sied­lung Weißensee: Er pflegte den Hof, mähte den Rasen, schnitt die Sträu­cher. Doch es blieb nicht dabei.

Aufsichtsrat voller Taten­drang
„Immer mitmi­schen – das war der Rat meines Vaters, und den habe ich befolgt“, erzählt de Bok und schiebt schmun­zelnd hinterher: „Manchmal auch zum Ärger meiner Frau.“ Doch Enga­ge­ment war für ihn immer selbst­ver­ständ­lich. So wurde er 1996 Mitglied im Aufsichtsrat der GeWoSüd und arbei­tete dort vor allem in der Baukom­mis­sion. Es waren span­nende Zeiten. „In der Sied­lung standen große Umbau­maß­nahmen an – Strang­sa­nie­rung, neue Elek­trik, Dach­auf­bauten“, berichtet de Bok. Auch andere Themen lagen ihm und seinen Aufsichts­rats­kol­legen am Herzen: Der Hof in Weißensee, aber auch die Außen­an­lage im Lindenhof sollten grün bleiben und die Ehren­amt­li­chen sollten noch mehr Unter­stüt­zung bekommen. „Unsere Grund­mo­ti­va­tion war immer, den Mitglie­dern ein ange­nehmes Leben zu ermög­li­chen“, bringt es de Bok auf den Punkt.

Was die Genos­sen­schafts­idee ausmacht
Und was bedeutet für ihn persön­lich genos­sen­schaft­li­ches Wohnen? „Sicheres Wohnen bis zum Lebens­ende“, antwortet de Bok ohne zu zögern. „Wir müssen keine Angst um unsere Wohnung haben und uns keine Sorgen machen, dass jemand sie uns wegnehmen will.“ Beson­ders wichtig sind ihm aber auch die Mitge­stal­tungs­mög­lich­keiten der Mitglieder: „In einer Genos­sen­schaft kann jeder mitreden und mitent­scheiden.“ Seit 1990 hat er an jeder Mitglie­der­ver­samm­lung teil­ge­nommen. „Das ist gelebte Demo­kratie. Da kann und sollte jeder den Mund aufma­chen“, sagt er mit Nach­druck.

GeWoSüd – ein starkes Mitein­ander
Auf die GeWoSüd blickt Hans-Joachim de Bok mit Stolz. „Unsere Genos­sen­schaft ist gesund und stabil aufge­stellt. Das ist das, was für mich zählt“, betont er. „Alle ziehen an einem Strang, ob Aufsichtsrat, Vorstand oder Mitar­bei­tende. Das spüren wir Mitglieder in vielen kleinen Dingen“, fügt er hinzu. Im Laufe der Jahre hat sich aus seiner Sicht viel zum Posi­tiven verän­dert. „Heute wird stärker auf das Mitein­ander geachtet. Die Genossen werden ermu­tigt, sich einzu­bringen und etwas für die Gemein­schaft zu tun.“ Auch wenn er nun alters­be­dingt nicht mehr so viel mitmi­schen kann, weiß er es sehr zu schätzen, dass Hof- und Weih­nachts­feste orga­ni­siert werden und dass Mitglieder Unter­stüt­zung im Alltag bekommen, wenn sie sie brau­chen. „Die GeWoSüd ist im Grunde wie ein Schirm für uns und das soll immer so bleiben“, sagt er.

Die komplette Ausgabe des Mitglieder-Echos finden Sie hier

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